Porträt Andrew Terker
Eine Internetseite stellt für mich eine recht aussergewöhnliche Herausforderung dar. Die meisten Leser sehen auf einer Internetseite nur die Worte und die Bilder um sie herum. Wenn Sie jedoch sensibel genug sind, werden Sie in der Lage sein, auch die Energie hinter den Worten wahrnehmen zu können. „Du musst die Menschen dort abholen, wo sie sind“, wurde mir immer wieder gesagt. „Du musst ihnen Dinge anbieten, die sie schon kennen, um sie ein wenig mehr mit der Welt der Energie vertraut zu machen. Auf diese Art und Weise werden sie in der Lage sein, allmählich die Veränderungen, die in der kommenden Zeit für sie anstehen, wahrzunehmen.“ Selbst dann ist Kommunikation ausgesprochen schwierig. Häufig ist diese Erfahrung sehr entmutigend und zermürbend, da Menschen oftmals viel Zeit brauchen, bis es ihnen gelingt, sich für die Welt der Energie zu öffnen und sie tatsächlich wahrzunehmen.
Den grössten Teil meines Lebens habe ich mich wie eine Art „Schlafender“ gefühlt, der auf etwas wartet, das in der Zukunft geschehen wird. Meine „inneren Erfahrungen“ sind so anders als die der restlichen Menschen. Die erste Erinnerung, die mir in den Sinn kommt, wenn ich an meine Kindheit denke, ist das Treffen zwischen Robert Kennedy und dem sowjetischen Botschafter Anatoly Dobrynin, das während der Kuba-Krise 1962 in Washington stattfand. Das „Problem“ bei dieser Erinnerung ist, dass ich physisch nicht in Washington anwesend war, sondern mehr als einhundert Kilometer entfernt. Dennoch erinnere ich mich auch heute noch an jedes Detail dieses Treffens, sogar an jede Nuance in der Stimme der beiden Vermittler, als sie versuchten, einen Dritten Weltkrieg zu verhindern.
Warum war dieses Treffen so wichtig für mich?
Es wurde Frieden erzielt, zumindest für eine gewisse Zeit. Diese Tatsache war - und ist es auch heute noch - viel wichtiger für mich als irgendein Detail aus meinem Leben. Die meiste Zeit als Teenager beschäftigte ich mich mit nationaler und internationaler Politik. Es war eine sehr gefährliche Zeit, da die zwei Supermächte sich gegenseitig einen Atomkrieg androhten.
Die anderen Teenager spielten Baseball, interessierten sich für Mädchen oder bekamen Akne. Ich hörte stundenlang Radio, las die Zeitungen und ging, wenn es möglich war, zu politischen Veranstaltungen, so dass ich den Präsidenten oder Präsidentschaftskandidaten hautnah erleben konnte. Als John F. Kennedy starb, verbrachte ich eine Woche lang in meinem Zimmer um zu trauern. Ich verliess den Raum nur zum Essen. Die Schule blieb während jener Woche geschlossen. Das ganze Land trauerte um einen Mann, von dem alle gehofft hatten, er würde die Welt retten. Nach seinem Tod war ich nie wieder derselbe wie vorher. Zugleich starb in mir der grösste Teil der Hoffnung, die es in meinen Augen für die Menschheit gab. Als schliesslich Martin Luther King, Jr. und Robert Kennedy ermordet wurden, verlor ich auch noch das letzte bisschen Hoffnung. Ich war verzweifelt.
Wie konnte ich diese Erfahrung machen, sprich ein Treffen, bei dem ich nicht einmal physisch anwesend war?
Diese Art von Treffen war normal für mich. Ich erlebte mich selbst als Energiewesen, das immer an den Plätzen sein konnte, wo es von Bedeutung war. Ich schien zu wissen, was auf den Strassen von Moskau und San Francisco los war, während ich nicht weit entfernt von New York City aufwuchs.
Einen Grossteil meiner Tage verbrachte ich damit, Menschen in Cafés, Restaurants, Parks und auf der Strasse zu beobachten. Ich liebe es zu sehen, wie sie „gebaut“ sind, da ich eine Art „Röntgenblick“ besitze. Ich bin in der Lage, tief in den Körper hineinzuschauen, nicht nur in die Organe und in das Gewebe, sondern auch in die energetischen Strukturen eines physischen Wesens. Wenn ich das tue, kann ich erkennen, wie Menschen Illusionen aufbauen und aufrechterhalten. Ich hatte immer Zugang zu ihren Gedanken, vor allem zu Gedanken, die ihnen nicht bewusst sind.
Menschliche Wesen haben eine Art Blaupause. Man könnte das auch den „Bauplan“ nennen. Wenn Sie jemals Menschen fragen, was sie zu dem gemacht hat, wer oder was sie sind, werden sie über die Frage schockiert sein. Die wahrscheinlichsten Antworten sind: „Gott“, „meine Eltern“ oder „ich weiss es nicht“. Fast niemand will wissen, dass alles nach einem Plan läuft und der Mensch selbst Urheber dieses Plans ist. Darüber hinaus will sich auch kaum einer diese Art und Tiefe von Verantwortung vorstellen.
Ich nehme an, dass viele Menschen der Meinung sind, ich sei als Kind autistisch gewesen und hätte mich im Laufe der Zeit den „normalen menschlichen Gewohnheiten“ angepasst und auf irgendeine Art und Weise in die Gesellschaft integriert. Immerhin gelang es mir, mehrere Universitätsabschlüsse, einschliesslich einer Promotion in Linguistik, zu erreichen und beamteter Professor auf diesem Fachgebiet zu werden. „Lebenslang zu kriegen“, deprimierte mich jedoch, und so verliess ich nach 12 Jahren die Universität.
Ich bevorzuge die Freiheit.

Wenn ich beispielsweise Texte schreibe, liebe ich es, mich nicht auf einen bestimmten Stil festzulegen, sondern zu variieren. Manchmal mag ich lieber amerikanisches Englisch, dann wieder britisches Englisch. Ab und zu lasse ich mich von Shelley, Poe oder Shakespeare leiten, so dass meine englischen Texte deren sprachlichen Stil spiegeln. Ich schreibe in mehreren Sprachen; sie „lagen mir“ schon immer. Der Einsatz von Sprachen ist für mich wie das Anziehen von Kleidung. Man kann ein Teil gegen ein anderes austauschen. Wenn ich in einer bestimmten Sprache schreibe, tue ich, meiner Meinung nach, etwas recht Einzigartiges: Ich lasse mich, bzw. meine Hand, einfach von einem Schriftsteller aus der Vergangenheit oder Gegenwart leiten und geniesse, was dann geschieht. Es ist anschliessend noch immer mein Text.
Wie mache ich das?
Ich hatte noch nie das Gefühl, eine feste Persönlichkeit zu besitzen. In den Beziehungen mit meinen Mitmenschen versuche ich dennoch, die eine oder andere Eigenschaft beizubehalten, damit sich die anderen bei jeder Begegnung daran erinnern können. Der Grund dafür ist, dass ich keinen kenne, der so ist wie ich. Ich habe einfach nur Zugang zu jedem, den es jemals gab, gibt oder geben wird. Ihnen wird dies sicherlich sehr merkwürdig vorkommen, selbst der Gedanke daran. Für mich ist das so normal wie frühstücken oder aufwachen.
Alle diese Wesen befinden sich in mir, und ich habe Zugang zu ihnen. Ich habe die Wahl, mich selbst als merkwürdig zu sehen oder die Erfahrungen zu geniessen. Ich habe mich für das letztere entschieden. Das Leben macht auf diese Weise sehr viel mehr Spass.
Wie sieht es mit Informationen aus?
Sie sind einfach nur da, da ich, unter anderem, auch Zugang zu anderen Wesen in mir habe. Es gibt die, die von anderen Plätzen kommen. Damit meine ich nicht Sambia oder Sansibar, sondern Plätze ausserhalb der Erde. Es handelt sich um Wesen von anderen Planeten und auch von anderen Sternen. Sie machen das Leben sehr viel interessanter und aufregender, gelinde gesagt. Es ist jedoch nicht ganz so einfach, dieses Interesse und die Begeisterung an andere menschliche Wesen weiterzugeben. Vielen Menschen machen meine Erfahrungen mehr Angst, als dass es wahrhaftiges Interesse in ihnen weckt.
Ich erlebe nicht wirklich Grenzen zwischen mir und anderen Wesen. Der Grossteil der Menschheit verbringt nicht nur viel Zeit damit, Mauern um sich herum zu erschaffen, sondern auch sie zu verstärken. Mauern bzw. Grenzen sind das, was Menschen krank macht. Allerdings wollen Menschen sie haben und sind selten bereit, sie aufzugeben. Auf der anderen Seite der Grenze findet man das, was alle Menschen, sei es heimlich oder ganz offensichtlich, suchen: Gott.
Ich werde andere Menschen niemals nur mit Worten erreichen.
Sie müssen die Energie erfahren, und sie müssen diese Energie wünschen. Das heisst, sie müssen auch die Bereitschaft für die Öffnungen, die damit einhergehen, haben wollen. Für mich fühlt sich das Ganze wie ein Geduldsspiel an, bei dem man warten muss, bis die Menschen offen genug sind, um das zu erfahren, was sie wirklich wollen, aber auch, bis sie verzweifelt genug sind für eine tiefe Veränderung. Bis jetzt war es meistens die Verzweiflung, die Menschen zu einer Veränderung bewegt hat. Nur sehr wenige suchen aus freien Stücken Veränderung.
Ob wir es mögen oder nicht, Veränderung wird auf uns zukommen. Meine Zeit als “Schlafender” geht zu Ende.
Andrew Terker
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