Gott versus Satan

09.03.2010 - 16:28

Viele „echte Gläubige“ gehen davon aus, dass der ultimative Kampf zwischen Gott und Satan am „Ende der Zeit“ ausgetragen wird. Wiederum glaubt ein Grossteil von ihnen, dass das Ende der Zeit – auch bekannt als Apokalypse oder Armageddon – bereits begonnen hat. Existiert Satan wirklich? Falls es ihn gibt – wie entstand er? Befinden wir uns tatsächlich in einem Kampf, oder geschieht gerade etwas ganz anderes?

Strenggläubige des apokalyptischen Kampfes glauben an einen Krieg zwischen Gott und dem Teufel, bzw. zwischen Gut und Böse. Viele sind der Meinung, dass der katastrophale Kampf zwischen Gott und Satan bereits am Horizont zugange ist und auf eine Massenvernichtung hinauslaufen wird. Sie glauben auch, dass dieser Kampf für die menschlichen Seelen ausgetragen wird und derzeit seinen Höhepunkt erreicht. Der Grundgedanke in der apokalyptischen Tradition ist der Kampf um die Seele. In ihrer Weltanschauung endet dieser Kampf in der Zerstörung der Welt.

Anhänger der Apokalypse sehen jedes Leben als Kampf der Seele, in der die Seele zwischen Gott und Satan wählen muss. In anderen Worten – gemäss dieser Weltanschauung muss jeder Mensch ständig eine Wahl treffen und in jedem Augenblick vor den Versuchungen des Teufels auf der Hut sein.

Möglicherweise ist Ihre Weltanschauung ein wenig moderater. Dennoch durchdringt diese extreme Sichtweise der apokalyptischen Tradition unsere gesamte Gesellschaft. Sie bildet die Basis für die politische Rechtfertigung von Kriegen und sogar von Hungersnöten. Unter der Oberfläche der Finanzwelt versteckt sich der Glaube, dass die „Mittellosen“ auf irgendeine Art und Weise weniger wert sind als die „Wohlhabenden“. Viele wohlhabende Menschen sehen insgeheim das Massensterben in unserer Welt als repräsentativen Beweis für den Teufel. Umgekehrt sind in den Augen vieler verarmter Menschen Wohlstand und Reichtum repräsentativ für den Teufel.

Ein Grossteil der Wohlhabenden nutzt die Dichotomie (Zweiteilung von grundsätzlich gegensätzlichen Dingen) zwischen Gut und Böse, um ihre Weltanschauung und ihren Lebensstil zu rechtfertigen. Andererseits rechtfertigen viele Arme – mit Hilfe derselben Dichotomie – ihre eigene Lethargie, die sie davon abhält, aus ihrer Situation herauszukommen. Wie auch immer Ihre Lebenssituation aussieht – es ist eine Leichtigkeit, den „Kampf zwischen Gott und Satan“ insgeheim als Ausrede zu verwenden.

Viele Leute glauben, dass das Wort Apokalypse „Katastrophe“ oder „massive Zerstörung“ bedeutet. Der Ursprung dieses Wortes enthält jedoch eine andere Bedeutung, es ist die „Enthüllung der verborgenen Wahrheit oder des verborgenen Wissens“. In anderen Worten, in seinem Kern ist das Wort Apokalypse gleichzusetzen mit der „Offenbarung der tieferen Bedeutung von Leben“. Auf diese Art und Weise kam das biblische Buch der Offenbarung zu seinem Namen. So sollte auch das Wort Apokalypse verstanden werden.

Der Begriff Satan entstand im Monotheismus. In polytheistischen Weltanschauungen vor der Zeit des monotheistischen Judentums existierte Satan nicht. Eine Welt, in der viele Götter ihren Platz haben, braucht keinen Satan. Die alten Ägypter und die alten Römer unterschieden beispielsweise nicht zwischen Gut und Böse, wie es die modernen monotheistischen Religionen mittels ihrer Wertung tun. Monotheismus ist die einzige Religionsform, die einen Satan braucht. Warum?

Im Laufe der Zeit – als sich das Judentum aus vergangenen polytheistischen Religionen entwickelt hat – wurde für Menschen der Gedanke, dass Gott für die Katastrophen in der Welt verantwortlich ist, immer unbehaglicher. Daher tauchte plötzlich eine neue und zugleich dunkle Gestalt auf. Diese Gestalt war Satan oder der Teufel. Einige Studenten der Religionswissenschaften glauben, Satan sei ein „Bewältigungsmechanismus“ für Monotheisten. Satans „Aufstieg zur Macht“ erreichte seinen Höhepunkt im Neuen Testament, wo er zum Schöpfer aller Tragödien und Horrorszenarien der Welt wurde. Satan wird als „das Böse“ gesehen, als derjenige, der hinter den Kulissen Gott bekämpft. Die Entwicklung Satans in seiner spezifischen Rolle ermöglichte es den Juden, „den wahren und einzigen Gott“ anzubeten. Satan wurde zum Gegenspieler des Guten, der dafür sorgt, dass „die perfekte Welt nicht entstehen kann“. Er gilt als Gegensatz zum „grossen, guten Gott“. Das bildet die Bühne für das Geplänkel, welches zum ultimativen Showdown, dem Armageddon, führt – „dem Endkampf, in dem es um die Seelen der Menschen und um das Schicksal der Welt geht“.

Glaube ist ein machtvolles Instrument – derartig machtvoll, dass es tatsächlich möglich ist, eine Wirklichkeit daraus entstehen zu lassen. Dieser Vorgang geschieht in diesem Augenblick.

Heutzutage existieren sowohl Gott als auch Satan in allen westlichen Gesellschaften. Sie existieren, da wir sie erschaffen haben. Wir Menschen haben die Wertung zwischen Gut und Böse – diese ausgesprochen starke Wertung der Religion – kreiert. Eine institutionalisierte monotheistische Religion braucht Wertung, da sie zwischen Gut und Böse unterscheidet. Wertung ist die stärkste Form von Trennungslinie zwischen zwei offensichtlich unvereinbaren Gegensätzen.

Die Weltanschauung unserer eigenen Gesellschaft ist tief in unserem Körper verankert. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die „geistige Welt“ auf unseren „Geist“ beschränkt ist und dieser sich in unserem Gehirn befindet. Daher glauben sie, dass ihr Körper von ihrem Geist getrennt ist und sich Körper und Geist grösstenteils gegenseitig nicht beeinflussen. Dies ist eine recht zweckmässige Weltanschauung und entspricht keineswegs der Wahrheit. Weltanschauungen existieren in Form von tiefen Programmierungen. Programmierungen wiederum dringen tief in den Körper ein und bewegen ihn. Sie sind der Motor hinter der Sprache und der Regisseur aller Gedankenprozesse. Aus diesem Grund ist es fast unmöglich, der Kultur zu entkommen. Anders ausgedrückt, ein kulturell geprägtes Wesen – alle Menschen sind kulturell geprägt – denkt immer nur innerhalb der Parameter seiner Kultur und kann daher nicht aus seiner eigenen Kultur entfliehen.

Dies ist einer der Gründe für den Anstieg des Buddhismus und des Islams in Europa. Viele Europäer suchen verzweifelt nach einer Alternative, um den Gedankenstrukturen ihrer christlichen Kultur zu entkommen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine andere Kultur „besser“ ist, aber die „neu Bekehrten“ sehnen sich inbrünstig nach Erlösung aus der zerstörerischen Wirkung, welche die Weltanschauung ihrer eigenen Kultur nach sich zieht. Und selbst dann können sie der Programmierung ihrer Kultur nicht entkommen. Das Problem hierbei ist, dass die meisten kulturellen Programmierungen unbewusst geschehen. Menschen wachsen mit ihnen auf und können sich nicht ohne weiteres von ihnen lösen. Keine simple Entscheidung auf geistiger Ebene wird es ihnen ermöglichen, aus diesem „Gefängnis“ zu fliehen.

Ist Satan eine von Menschen erschaffene Kreation? Ich behaupte „ja“. Glaube erschafft riesige Energiewesen. Solche Wesen sind in der Lage, Erdbeben und Flutwellen oder wellenförmige Bewegungen mit katastrophaler Auswirkung in der Welt der Finanzsysteme auszulösen – so als würden sie mit einem Spielzeug spielen. Die Kultur ist ein Instrument, das dafür sorgt, dass Menschen von ihrem eigenen Bewusstsein abgeschnitten werden, indem sie sich selbst zu jemandem machen, der sie gar nicht sind. Kulturell geprägte Menschen kreieren sich selbst aufs Neue nach den Vorgaben der Kultur. Sie tun dies um zu überleben. Einer der Termini, die wir üblicherweise benutzen, um einen derartigen Prozess zu beschreiben, ist „Sozialisierung“.

Stellen Sie sich ein riesiges Wesen vor, das aus Wertung und aus all dem, was Menschen nicht sein wollen, entstanden ist. Gehen Sie nun einen Schritt weiter und stellen sich vor, wie die Wertung über hunderte von Generationen aufrecht erhalten wird und wie dieses Wesen mit dem, was Menschen nicht sein wollen, „gefüttert“ wird. Nun haben Sie die „Nahrung“ für die Apokalypse. Erleben wir derzeit die Apokalypse?

Wir erschaffen sie. Die Apokalypse wurde zu einem riesigen Triebwerk, das immer mehr Treibstoff von unserem Denken - genauer gesagt, von der Art und Weise wie wir denken – erhält. Es ist Zeit für uns, sämtliche Wertung loszulassen. Das Rad der Zeit dreht sich im Augenblick immer schneller, damit dies geschehen kann. Dies zeigt sich deutlich im Fundament der westlichen Religionen, das vor unseren Augen auseinander bricht.

In diesem Sinne könnte man sagen, dass das Jahr 2012 für das Ende Satans steht – nicht weil Gott letztendlich das „Dunkle“ zur Unterwerfung zwingt, sprich besiegt, sondern weil die Dichotomie zwischen den beiden verschwindet. Danach wird es eine „neue Dimension“ geben – eine Dimension, in der Gott und Satan zu einem einzigen Wesen verschmelzen, das keine Wertung kennt. In den kommenden Jahrzehnten werden Menschen dann niederschreiben, dass das zweite Jahrzehnt unseres 21. Jahrhunderts die Zeit war, in welcher der „wahre Gott“ in unserer Mitte erschienen ist.

Andrew Terker

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